Haarausfall bei Frauen, Männern und Kindern

Die Ursache liegt oft tiefer

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Warum fallen meine Haare aus – und wann lohnt es sich, genauer hinzusehen?

Mehr Haare in der Bürste. Haare im Waschbecken oder in der Dusche. Der Scheitel wird breiter, die Kopfhaut plötzlich sichtbarer oder es entstehen einzelne kahle Stellen.

Haarausfall kann viele Gesichter haben – und Frauen ebenso betreffen wie Männer, Jugendliche oder Kinder. Für die Betroffenen ist das häufig weit mehr als ein kosmetisches Problem. Denn Haare sind eng mit unserem Selbstbild verbunden. Wenn sie plötzlich dünner werden oder ausfallen, entstehen nicht selten Unsicherheit, Sorgen und eine erhebliche psychische Belastung.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur:

Was kann ich gegen meinen Haarausfall tun?

Sondern zunächst:

Warum fallen meine Haare überhaupt aus?

Haarausfall ist nicht gleich Haarausfall

Ein gewisser Haarverlust gehört zum normalen Haarzyklus. Etwa 50 bis 100 Haare täglich gelten bei Erwachsenen als gewöhnlich.

Auffällig wird es, wenn deutlich mehr Haare ausfallen, das Haar zunehmend dünner wird oder klar begrenzte kahle Stellen entstehen.

Dabei gibt es sehr unterschiedliche Formen des Haarverlusts. Zu den häufigeren gehören beispielsweise:

  • erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie)
  • diffuser Haarausfall
  • kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)
  • hormonell bedingte Veränderungen
  • Haarausfall nach Erkrankungen, starkem körperlichem Stress oder Gewichtsverlust
  • Haarverlust infolge bestimmter Medikamente
  • entzündliche oder infektiöse Erkrankungen der Kopfhaut

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt deshalb entscheidend davon ab, welche Form des Haarausfalls tatsächlich vorliegt.

Warum Shampoo und Haarserum allein häufig nicht ausreichen

Wenn Haare verstärkt ausfallen, beginnt die Suche nach einer Lösung oft im Badezimmer oder in der Apotheke.

Spezielle Shampoos, Haarseren, Conditioner, Biotin, Vitamine oder andere Nahrungsergänzungsmittel versprechen Unterstützung für kräftiges und gesundes Haar.

Doch nicht jeder Haarausfall lässt sich von außen beeinflussen.

Denn Haarwachstum ist ein komplexer biologischer Prozess. Haarfollikel reagieren unter anderem auf genetische Faktoren, Hormone, Immunprozesse, den Ernährungszustand, bestimmte Erkrankungen und körperliche Belastungssituationen.

Deshalb ist es sinnvoll, bei länger anhaltendem oder auffälligem Haarverlust nicht ausschließlich die Haare selbst zu behandeln, sondern zunächst nach möglichen Auslösern zu suchen.

Welche Ursachen können hinter Haarausfall stecken?

Je nach Form des Haarverlusts kommen sehr unterschiedliche Faktoren infrage.

Dazu zählen unter anderem:

  • genetische Veranlagung
  • Eisenmangel oder andere relevante Nährstoffmängel
  • ausgeprägte Mangel- oder Fehlernährung
  • hormonelle Veränderungen, etwa nach Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • bestimmte Medikamente
  • schwere Erkrankungen oder Infektionen
  • Operationen oder körperliche Belastungsphasen
  • starker Gewichtsverlust
  • psychischer oder körperlicher Stress
  • Autoimmunerkrankungen
  • Erkrankungen oder Infektionen der Kopfhaut

Gerade bei diffusem Haarausfall kann beispielsweise ein sogenanntes Telogeneffluvium vorliegen. Dabei wechseln ungewöhnlich viele Haare gleichzeitig in ihre Ruhephase und fallen einige Wochen oder Monate später verstärkt aus.

Auslöser können unter anderem fieberhafte Erkrankungen, Operationen, ausgeprägter Stress, hormonelle Veränderungen, Gewichtsverlust oder Eisenmangel sein.

Nährstoffe: Nicht einfach auf Verdacht supplementieren

Für gesundes Haar benötigt der Körper ausreichend Energie, Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe.

Ein tatsächlicher Mangel kann das Haarwachstum beeinträchtigen. Bekannt ist beispielsweise der Zusammenhang zwischen Eisenmangel und bestimmten Formen diffusen Haarverlusts.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass bei Haarausfall wahllos Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden sollten.

Entscheidend ist die Frage:

Besteht überhaupt ein nachweisbarer Mangel?

Denn auch Nahrungsergänzungsmittel sind nicht grundsätzlich harmlos. Eine gezielte Diagnostik kann deshalb sinnvoller sein als die Einnahme zahlreicher Präparate nach dem Prinzip „viel hilft viel“.

Bestehen Hinweise auf eine Erkrankung des Verdauungssystems oder eine gestörte Nährstoffaufnahme, sollte auch diesem Verdacht gezielt nachgegangen werden. Erkrankungen, die die Aufnahme wichtiger Nährstoffe beeinträchtigen, können indirekt Auswirkungen auf Haut und Haare haben.

Welche Rolle spielt der Darm?

Das Zusammenspiel zwischen Ernährung, Verdauung, Immunsystem und Stoffwechsel ist komplex – und Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschung.

Bestimmte Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes können beispielsweise die Aufnahme von Eisen, Eiweiß, Vitaminen oder Spurenelementen beeinträchtigen. In solchen Fällen kann eine gestörte Nährstoffversorgung auch das Haarwachstum beeinflussen.

Davon zu unterscheiden sind allgemeine Begriffe wie „Darmdysbalance“ oder „Darmflora-Störung“. Zwar werden mögliche Zusammenhänge zwischen Darmmikrobiom, Immunsystem und verschiedenen Erkrankungen wissenschaftlich untersucht. Eine Veränderung des Mikrobioms ist jedoch nicht automatisch die Ursache eines Haarausfalls.

Auch Untersuchungen auf Bakterien, Pilze oder Parasiten sollten deshalb nicht pauschal erfolgen, sondern dann, wenn Anamnese, Beschwerden oder Befunde einen entsprechenden Verdacht begründen.

Kreisrunder Haarausfall: Wenn das Immunsystem eine Rolle spielt

Besonders beunruhigend sind plötzlich auftretende, scharf begrenzte kahle Stellen.

Dahinter kann eine Alopecia areata, also kreisrunder Haarausfall, stehen.

Dabei handelt es sich nach heutigem medizinischem Kenntnisstand um eine immunologisch vermittelte Erkrankung, bei der das Immunsystem Strukturen des Haarfollikels angreift.

Alopecia areata kann Erwachsene ebenso betreffen wie Kinder und Jugendliche. Der Verlauf ist sehr unterschiedlich: Bei manchen Betroffenen wachsen die Haare spontan wieder nach, bei anderen verläuft die Erkrankung über längere Zeit oder tritt wiederholt auf.

Gerade bei Kindern sollten deshalb zunächst andere mögliche Ursachen abgegrenzt werden. Dazu gehören beispielsweise Pilzerkrankungen der Kopfhaut oder eine Trichotillomanie – das wiederholte Ausreißen beziehungsweise Herausziehen eigener Haare.

Eine sorgfältige Diagnose ist hier besonders wichtig.

Am Anfang sollte die Diagnose stehen

Bevor behandelt wird, sollte möglichst klar sein, welche Art des Haarausfalls vorliegt.

Eine ausführliche Anamnese kann beispielsweise klären:

  • Seit wann besteht der Haarverlust?
  • Fallen die Haare diffus oder an bestimmten Stellen aus?
  • Gab es einige Wochen oder Monate zuvor Erkrankungen, Fieber oder Operationen?
  • Bestehen besondere körperliche oder psychische Belastungen?
  • Gab es einen deutlichen Gewichtsverlust?
  • Werden regelmäßig Medikamente eingenommen?
  • Bestehen hormonelle Beschwerden?
  • Gibt es ähnliche Fälle in der Familie?
  • Liegen zusätzliche Symptome wie Müdigkeit, Verdauungsprobleme oder Hautveränderungen vor?

Anschließend können – abhängig vom individuellen Befund – weitere Untersuchungen sinnvoll sein.

Dazu gehören beispielsweise eine Untersuchung von Kopfhaut und Haaren sowie gezielte Laboruntersuchungen. Welche Blutwerte tatsächlich bestimmt werden sollten, richtet sich nach Anamnese und Verdachtsdiagnose.

Weiterführende Untersuchungen – etwa des Verdauungssystems oder Stuhluntersuchungen – sollten dann erfolgen, wenn konkrete Beschwerden oder medizinische Hinweise dafür sprechen.

Gute Diagnostik bedeutet nicht, möglichst viel zu untersuchen. Sie bedeutet, die richtigen Untersuchungen für die jeweilige Situation auszuwählen.

Erst die Ursache verstehen – dann gezielt behandeln

Eine wirksame Therapie richtet sich nach der jeweiligen Diagnose.

Bei einem nachgewiesenen Eisenmangel sieht die Behandlung anders aus als bei erblich bedingtem Haarausfall. Eine Alopecia areata benötigt wiederum ein anderes therapeutisches Vorgehen als ein vorübergehender diffuser Haarverlust nach einer schweren Erkrankung.

Genau deshalb gibt es nicht die eine Therapie gegen Haarausfall.

Je nach Diagnose können beispielsweise die Behandlung einer Grunderkrankung, der Ausgleich eines nachgewiesenen Mangels oder spezielle dermatologische Therapien infrage kommen.

Auch lokal angewendete Medikamente können bei bestimmten Formen von Haarausfall sinnvoll sein. Für Minoxidil beispielsweise liegen für verschiedene Formen des Haarverlusts wissenschaftliche Daten vor.

Welche Rolle können lokale Behandlungen und Mesotherapie spielen?

Sind Diagnose und mögliche Auslöser geklärt, können je nach Form des Haarausfalls ergänzend lokale Verfahren erwogen werden.

In meiner Praxis kommen – nach individueller Beurteilung – unter anderem Mesotherapie-Verfahren und lokal angewendete Wirkstoffkonzepte zum Einsatz.

Dabei ist eine differenzierte Betrachtung wichtig: Die wissenschaftliche Evidenz zur Mesotherapie hängt stark von der konkreten Indikation und den verwendeten Wirkstoffen ab. Sie sollte deshalb nicht als universelle Behandlung für jede Form des Haarausfalls verstanden werden.

Welche lokale Therapie sinnvoll ist, muss individuell entschieden und auf die jeweilige Diagnose abgestimmt werden.

Wann sollte Haarausfall medizinisch abgeklärt werden?

Eine Abklärung ist besonders sinnvoll, wenn

  • der Haarverlust plötzlich beginnt,
  • ungewöhnlich viele Haare ausfallen,
  • kahle oder kreisrunde Stellen entstehen,
  • sich die Kopfhaut entzündet, schuppt oder verändert,
  • Augenbrauen oder andere Körperhaare ebenfalls ausfallen,
  • weitere körperliche Beschwerden hinzukommen,
  • der Haarausfall über längere Zeit anhält oder
  • ein Kind beziehungsweise Jugendlicher betroffen ist.

Je früher die tatsächliche Form des Haarausfalls erkannt wird, desto gezielter kann über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Fazit: Nicht jedes Haarproblem beginnt an der Haarwurzel

Haarausfall kann viele Ursachen haben – von genetischer Veranlagung über hormonelle Veränderungen und Autoimmunprozesse bis hin zu Erkrankungen, körperlichen Belastungen oder einem tatsächlichen Nährstoffmangel.

Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Nicht jedes Shampoo ist wirkungslos. Nicht jedes Nahrungsergänzungsmittel ist unnötig. Und nicht hinter jedem Haarausfall steckt eine verborgene Erkrankung.

Aber eine Behandlung sollte möglichst zu der Ursache passen.

Der wichtigste Schritt besteht deshalb häufig nicht darin, möglichst schnell irgendetwas gegen den Haarverlust zu unternehmen – sondern zunächst herauszufinden, mit welcher Form des Haarausfalls man es überhaupt zu tun hat.

Denn je genauer die Ursache verstanden wird, desto gezielter kann behandelt werden.

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